Montag, 5. Januar 2009

Embracing Post-Privacy @ 25C3

Ich war zwar nicht da, aber auf dem Umweg über das Hallenprojekt & die Website von plomlompom (den ich in der c-base kennen gelernt habe - siehe mein Beitrag zur Freiheit statt Angst-Demo) bin ich auf dessen Vortrag Embracing Post-Privacy beim 25C3 gestoßen.

Das ist voll meine Wellenlänge - er geht sogar so weit, dass das Konzept einer festen Identität (hier v.a. im Zusammenhang mit Identitätsdiebstahl) hinfällig sei & spricht dabei von "Identitäts-Viren". Siehe dazu auch auf seiner Homepage "Identität 2.0" ;-)
Arnold Mindell sagt dazu nur "life is too short to have just one identity"!

& die beste Schlussfolgerung: Das Ende der Schuld! Das hebt dann auch gleich wieder die Hauptbefürchtung der Privacy-Befürworter auf: Dass die Überwachung zu Konformität führen müsse. Aber wenn "ich" gar nicht so klar festgelegt ist, muss "ich" mich ja gar nicht davor fürchten, dass der böse böse Staat mich wegen Nonkonformität bestraft. Schließlich war das gar nicht ich, sondern einer der anderen ;-)
Letzten Endes ist nicht der Überwachungsstaat der Grund für konformes Verhalten, sondern die Angst jedes Einzelnen vor der Reaktion des Staates (oder Arbeitgebers) auf das ausspionierte abweichende Verhalten. & dazu habe ich hier schon so einiges geschrieben, siehe z.B. Vertrauen riskieren.
Übrigens werde ich ganz bestimmt den Satz von Sabine Lichtenfels noch raussuchen, versprochen!

Also was in aller Welt soll dann noch "meine" Privatsphäre sein? ... Die Pre-MySpace-Generation wird alt & verschwindet, wie er in seinem Vortrag bemerkt. Alle die mit Web 2.0 aufwachsen, haben ein völlig anderes Verständnis von dem, was sie über sich in Medien preisgeben. Sie empfinden es gar nicht mehr als Preisgeben, sondern schlicht als Mit-Teilen. Twitter ist dabei wohl das bisherige Extrem, zumindest was die Häufigkeit der Mitteilungen betrifft.
Siehe dazu auch mein Beitrag zu Vertrauen als Grundlage des Web 2.0.

Auch der Trend zu Freien Inhalten im Netz & anderen Medien weist in Richtung Veröffentlichen statt Geheimhalten / Privatisieren.

& ich erinnere an dieser Stelle noch einmal daran, dass das Wort privat sich vom lateinischen Wort für Rauben, "privare", ableitet. In der Hinsicht bin ich radikal. Was irgendwie der Schäuble-Ecke rechts oben widerspricht... Hmm, mal sehen. Bis auf weiteres bleibt sie als innerer Widerspruch in meinem Blog bestehen. Hauptsache sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das Thema als solches.



Das mit der Schuld birgt übrigens erheblichen Sprengstoff in sich: keine Schuld - keine Strafe & damit keine Justiz im herkömmlichen Sinne mehr. Zudem auch kein Schuldgeld mehr!!!
Aber das ist wahrlich einen eigenen Beitrag wert - irgendwann mal...

Sonntag, 28. Dezember 2008

Die Kraft des Ja in der Finanzkrise - Eine weltweite Initiative

Bei Markus Rüegg (der mich in seinem Newsletter auch auf den Baltic Dry Index aufmerksam machte) fand ich die Initiative "Die Kraft des Ja in der Finanzkrise", die ich sehr unterstütze.
Denn "objektiv" ist schliesslich alles beim Alten geblieben, "nur" das Geld verschwindet bzw. verliert an Wert. Da Geld aber ohnehin bloss eine Übereinkunft unter Menschen ist, können wir es auch ganz anders organisieren als bisher. Wir sind keinesfalls Sklaven des Geldes.
Das Geld ist ein Hilfsmittel um das Zusammenleben & vor allem das Zusammenarbeiten von Menschen zu organisieren, zu vereinfachen & viele neue Möglichkeiten dafür zu entwickeln.

Unser derzeitiges Geldsystem (nach Bernard Lietaer ein patriarchales bzw. Yang-Geld), das auf Schuldzinsen & dem Erschaffen von Geld aus dem Nichts beruht, bringt zwangsläufig immer wieder Krisen wie die jetzige hervor. Darüber habe ich in meinem Blog schon lang & breit immer wieder geschrieben, schaut euch einfach in der Rubrik Wirtschaften um. Eben dort habe ich auch schon verschiedene Entwürfe beschrieben, wie es anders gehen kann - & wie es in der Geschichte auch schon anders gegangen ist.

Hier ein paar Ausschnitte aus den Texten der Innitiative:
Jeder müsste den Funken der Freiheit in seinem eigenen Leben heftig vorantreiben, das bedeutet Abhängigkeiten abzulösen, Grollkanäle zu schließen, ständig wohlwollend zu sein, sich selbst heilen zu lernen, sich als Schöpfer seiner eigenen Realität zu begreifen und nur noch Entscheidungen des Herzens zu treffen. Und es bedeutet, hinter die Oberfläche der Dinge schauen zu lernen, also paranormal Wirkungskräfte erspüren zu lernen. Es bedeutet auch, ganzheitliche Erfolgs-Energien und Wunsch-Energien immer besser zu begreifen und umzusetzen, ebenso wie die Strukturen des Energiekörpers im Menschen, die die schöpferischen Kräfte im Menschen entfalten.
Dieses Wissen ist das einzige, was dann noch Gültigkeit hat, wenn im außen alles zusammenbricht. Dazu ist es wichtig, sich Lehrer zu suchen, die über diese Zusammenhänge Bescheid wissen und sie auch selber vorleben. Es gibt in der geistigen Welt - wie auch in der materiellen Welt - viele Schwätzer, aber jetzt gilt es zu Praktikern zu gehen, die aus eigener Erfahrung wissen, worum es geht und die auch die notwendigen Energien übertragen können (genauso wie die eigenen praktischen Erfahrungen), damit die Menschen, die zu ihnen kommen, - mit genügend Energien und Impulsen versorgt - nachhause gehen und ihr Leben verändern können. Und dadurch wiederum können diese Menschen auch ihr eigenes Umfeld mit der Freiheitsidee anstecken.

Menschen, die alles verlieren, brauchen eine neue Perspektive, und zwar in dem Sinne, dass jeder Mensch sich selbst heilen kann, dass er Energien aussenden kann, um Liebe und Nähe ins eigene Leben zu ziehen und dass er wieder die Schönheit der Natur, der Welt, des Herzens und der zwischenmenschlichen Nähe entdecken kann.

In diesen Zeiten der Krise lasse ich mich von der Frage leiten "wie kann es gehen?", denn mit offenem Herzen findet sich immer eine Lösung. Das Universum ist uns wohlgesonnen.

Finanzkrise erreicht Realwirtschaft - der Baltic Dry Index

Noch vor wenigen Monaten hätte ich nicht gewusst, was der Baltic Dry Index ist - Aktienindizes kannte ich, oder auch den CRB-Rohstoffindex.
Beim Baltic Dry Index handelt es sich um den wichtigsten Index für Frachtpreise auf den Weltmeeren.
Dieser Index sank von Mitte Mai bis Anfang Dezember um über 94%!!!!!
Da bei solchen Preisen die Reedereien noch nicht einmal ihre Kosten hereinbekommen, wird ein Großteil des Welthandels wohl bald zum Erliegen kommen. Wer schlau ist, kauft also spätestens jetzt regional produzierte Waren.

So kommt jetzt also mit dem Dampfhammer das, was ohnehin in absehbarer Zeit notwendig geworden wäre: eine Rückbesinnung auf regionale Wirtschaftskreisläufe.

Mittwoch, 12. November 2008

The end of Fiat Money?!?

Ich wurde gerade vom American Monetary Institute auf folgendes Video aufmerksam gemacht (Dennis Kucinich, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhauses aus Ohio):

Es wird also zumindest öffentlich im US-Kongress darüber geredet, das Fiat Money-System abzuschaffen & die Geldschöpfung wieder unter demokratische Kontrolle zu bringen. Durch die Wahl von Obama zum Präsidenten könnte glatt noch was draus werden. Dass es nicht wie bisher weitergeht ist ja nun offensichtlich.

Zunächst mal bleibt zu hoffen dass sie den Paulson-Putsch rückgängig machen.

Samstag, 11. Oktober 2008

Freiheit statt Angst - Watching the watchers

Live aus der c-base in Berlin nach der Freiheit statt Angst-Demo: Heute ging es um den Schutz der Privatsphäre vor staatlicher & privat(wirtschaftlich)er Überwachung. Was da alles in der letzten Zeit beschlossen wurde & für die Zukunft geplant ist, kannst Du auf den Seiten des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung oder auch beim Bielefelder FoeBuD nachlesen. Als Termin merke Dir den 24. Oktober vor, da werden die diesjährigen Big Brother Awards verliehen.

Wie ich schon in meinem Beitrag zu Web 2.0 geschrieben hatte, bin ich kein Verfechter der starken Privatsphäre, ich sehe vielmehr im Sinne einer Keimform den Trend zu immer weitreicherenden Formen der Transparenz.
Das Problem zur Zeit ist, dass die BürgerInnen/KonsumentInnen ziemlich einseitig transparent für Politik & Unternehmen werden, während wir umgekehrt noch völlig unzureichende Möglichkeiten haben zu beobachten, was Entscheidungsträger in Politik & Wirtschaft so treiben. Aus meiner Sicht ist das vorrangige Ziel einer Bewegung für Freiheit statt Angst, diese Asymmetrie auszugleichen. Ein Versuch, dieses Missverhältnis umzukehren, ist die Sousveillance-Bewegung, Leute die mit Kameras ausgestattet ihrerseits die gewohnten Überwacher überwachen.

Das Motto der Demo lautet ja "Freiheit statt Angst". Von Lenin stammt der Spruch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Daran halten sich auch heute noch Schäuble & der Bundestag.
Ich hingegen sage, Vertrauen ist das Beste & Kontrolle beginnt immer dann, wenn jemand nicht mehr vertraut sondern aus Angst handelt (bzw. Gesetze erlässt).

Die technischen Möglichkeiten sind allerdings da & für die Masse der Bevölkerung erschwinglich, so dass eine Gesellschaft wie David Brin sie in The Transparent Society skizziert durchaus möglich ist. Die Vorstellung war am Anfang für mich auch gruselig - jedeR hat jederzeit die Möglichkeit alle anderen bei ihrem Tun zu beobachten. Das ist schon eine sehr andersartige Gesellschaft als wie wir sie gewohnt sind.
Mir geht seit einigen Tagen ein Satz von Sabine Lichtenfels nicht mehr aus dem Kopf, den ich im genauen Wortlaut noch suchen & dann hier nachliefern werde. Sinngemäß geht es darum, dass wir in einem ganz tiefen Sinne nicht nur nichts zu verbergen haben, sondern sogar gar nichts verbergen können.

Letzten Endes hängt es immer von der Grundhaltung sich selbst & anderen Menschen gegenüber ab, egal ob Überwachungstechnologie verfügbar ist & eingesetzt wird oder man darauf verzichtet. In beiden Fällen können wir uns entscheiden zwischen Vertrauen oder Misstrauen/Angst.
Ich wähle, wie auch aus dem Untertitel meines Blogs hervorgeht, Vertrauen.

Freitag, 3. Oktober 2008

H.R. 1424: Der Paulson-Putsch und wie es anders gehen könnte

Während wir hier die deutsche Einheit feiern (oder auch nicht), hat auf der anderen Seite des Atlantiks soeben der Paulson-Putsch stattgefunden. Diese treffende Bezeichnung für den Emergency Economic Stabilization Act of 2008, kurz H.R. 1424, stammt von der Journalistin Lila Rajiva.

Zwar wurde Abschnitt 119 gegenüber der ursprünglichen, von US-Finanzminister Henry Paulson verfassten Version, etwas zurückgestutzt, scheint ihm jedoch immer noch sehr weitreichende Handlungsbefugnisse einzuräumen (siehe dazu den Kommentar auf publicmarkup.org).


Anstatt 700 Mrd. $ zu erfinden, so wie auch alles andere Geld heutzutage einfach von Noten- & Geschäftsbanken erfunden wird (Fiat Money), gibt es verschiedene Vorschläge zur Reform unseres Geldsystems. Dazu braucht es vor allem Mut, & solange diejenigen an den Schalthebeln der Macht sitzen, die vom bestehenden Geldsystem am meisten profitieren (siehe Paulson), eine breite Bewegung von unten.

Eine viel versprechende Idee ist die Initiative Taxos. Die Idee kurzgefasst: "Der Staat bezahlt einen (zunächst geringen) Teil seiner Ausgaben nicht mit Euros sondern mit auf Euro lautenden Steuergutschriften." Was mich an diesem Vorschlag besonders begeistert ist, dass der Staat - anders als bei den meisten Komplementärwährungen - selbst ganz direkt von diesem neuen Zahlungsmittel profitiert. Somit stehen der Einführung von Taxos "nur" die Interessen der Hochfinanz entgegen. Die sind nämlich die Hauptgläubiger des Staates & verdienen entsprechend an der Staatsverschuldung.

Bernard Lietaer hat einen Vorschlag aus dem Jahre 1933 für eine Weltwährung, die auf einem standardisierten Warenkorb basiert, wieder aufgegriffen & an die heutige Zeit angepasst: Den Terra.

Neben der Schaffung zusätzlicher Zahlungsmittel kommen wir nicht um eine grundlegende Reform des bestehenden Geldsystems herum. Anders als die Freiwirtschaft sehe ich den Hauptfehler dieses Systems nicht im Zins an sich, sondern darin, wie das Geld überhaupt entsteht (Geldschöpfung). Sehr anschaulich erklärt das der Dreiteiler auf YouTube, den ich hier schon lobend erwähnte.

Der Soziologe Joseph Huber hat unter der Bezeichnung Vollgeld ein Konzept erarbeitet, das die Geldschöpfung wieder ausschließlich in die Hand des Staates gibt.
Derzeit beträgt die Mindestreserve im Eurosystem 2%, d.h. die Banken können 50 mal so viel Geld schöpfen (ich sage erfinden dazu) wie bei der Zentralbank vorhanden ist. Im Wikipedia-Artikel steht sogar "Einige Staaten sind sogar dazu übergegangen, die Mindestreserve abzuschaffen." - Fiat money eben.
Hubers Vollgeld wird inzwischen schon im britischen Oberhaus diskutiert.

Auf der anderen Seite des Atlantiks tut sich vor allem Stephen Zarlenga mit seinem American Monetary Institute hervor. Sein Buch Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht. ist eine hervorragend recherchierte Geschichte des Geldes & schildert vor allem den weit zurückreichenden Kampf um die demokratische Kontrolle des Geldsystems.
Sein Vorschlag entspricht in weiten Teilen dem von Joseph Huber: Die Macht der Geldschöpfung einer demokratisch kontrollierten Institution des Staates zu unterstellen.

Obwohl ich den Schwerpunkt der Freiwirtschaft für falsch gesetzt halte, ist diese Richtung doch bisher am stärksten organisiert, in Deutschland in der INWO, & hat 2001 sogar eine Partei gegründet, die Humanwirtschaftspartei. Ist für die nächste Wahl zumindest eine Überlegung wert.

Hauptsache es kommt überhaupt ein Gespräch über grundlegende Alternativen zum bestehenden Geldsystem in Gang, was die Vor- & Nachteile der einzelnen Lösungen sind kann dann immer noch geklärt oder besser noch ausprobiert werden. Im Kleinen funktionieren ja schon etliche Tauschringe & Regionalwährungen mit teilweise recht unterschiedlichen Systemen.

Wenn Du richtig tief in die Materie einsteigen willst, empfehle ich Dir, Dich auf der NewMoney-Mailingliste anzumelden. Es lohnt sich als Einstieg die Texte der Woche zu lesen & im Archiv der Liste zu stöbern. In den Jahren 2000 & 2001 finden sich dort auch etliche Beiträge von mir. :)

Ein Text, der mir sehr tiefe Erkenntnisse über Geld gebracht hat, ist Vexierbild Geld von Richard Weinrich. Bring viel Zeit mit, es lohnt sich!

Kontakt

Jabber: iromeister@deshalbfrei.org
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Guten Tag FremdeR! Du bist hier beim Blog eines (Forschungs-) Reisenden zu Gemeinschaften & Kommunen gelandet. Unterwegs bin ich seit Ende Juli 2005, seit ca. Sommer 2006 inzwischen wieder sesshaft. Mehr über mich & mein Projekt erfährst Du im Startschuss-Beitrag. Darin erkläre ich auch, wie Du diesen Blog "bedienst"!
Im Beitrag Eine neue Kultur fasse ich meinen bisherigen Lebens-Schwerpunkt zusammen - darum geht es mir, nicht nur in diesem Blog.

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Jörg (Gast) - 2009-09-03 14:53

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